Prominent ignoriert
Auf dem Weg in die Antikensammlung im Museum Kurhaus Kleve begegnet mensch der Büste des Großfürst Prinz Moritz zu Nassau-Siegen welcher mit Alabasteraugen auf uns herabblickt. Meisterhaft geschaffen zeugt dieses Abbild vom Anspruch und der Macht des Großfürsten. Meine letzte Begegnung mit ihm war von dem Wunsch geführt sein Konterfei mit dem Gesicht zur Wand zu platzieren : denn in Wirklichkeit sollte ein Mann mit seiner Vergangenheit sich zutiefst schämen. Als Generalgouverneur der Besitzungen der Niederländischen Westindien-Kompanie in Niederländisch-Brasilien in den Jahren 1636 bis 1644 war der Großfürst als williger Organisator für die Ausbeutung , Leid und Tod von geschätzt 23.000 Menschenleben verantwortlich. Natürlich war er als Kind seiner Zeit in seinem Tun verhaftet aber die Rückschau auf sein Werk betrachtet zu oft das visionäre Werk für Kleve – und vergisst zu oft daß dieser Mann ein Opportunist & Schinder war. Freilich ist es einigen Menschen schon aufgefallen daß in einer modernen Betrachtung der Name des Großfürsten nicht mehr den Leumund hat um sich damit zu schmücken. So wurde am 26.10.2023 (*1) der Kulturpreis der Stadt Kleve namentlich eingedampft.
Aus den Sitzungsprotokollen des Stadtrats geht auch hervor daß „im Gegenteil eine weitere Auseinandersetzung und Diskussion wünschenswert“ ist.
Mit dem Projekt „Strahlungsgröße“ (*2)
kann die gewünschte Diskussion großzügig angestoßen werden.
So wie alle kolonialen Verbrechen gute Ideen benötigen um, jenseits des gewollten Vergessens, der Geschichtsschreibung das Wort Verantwortung hinzu zu fügen.
Die Politik des Kreises Kleve habe ich Anfang November über mein Ansinnen informiert. Auf postalischem Weg wurde das Kulturbüro im Kreishaus bedacht, die demokratischen Fraktionen habe ich per E-Mail informiert.
Auf meine E-Mail erhielt ich nur von Frau Schacky/Grüne eine Antwort mit dem Hinweis daß diese Themen nicht im Kreistag verhandelt werden.
Mitte November erhielt ich eine persönliche Antwort des Landrats Gerwers der meine Idee zwar wertschätzte aber auf das Fehlen eines Etats für ein solches Vorhaben und eine fehlende Zuständigkeit hinwies. Erfreut über diese persönliche Reaktion lud ich ihn ein ganz informell über das Projekt zu sprechen und dabei ein Modell in Augenschein zu nehmen. Das Ausbleiben einer Antwort interpretiere ich als „Nein, Danke“
Anfang Februar 2026 verfasste ich ein ähnliches Schreiben an den Kulturausschuss der Stadt Kleve. Eine Antwort steht noch aus.
Zuvor verfasste Emails an den Bürgermeister der Stadt Kleve blieben bisher ohne Rückmeldung.
Die Öffentlichkeit ist ein zentraler Aspekt im Projekt „Strahlungsgröße“ denn nur wenn die MitbürgerInnen über das menschenfeindliche Außmaß des Großfürsten wissen kann eine zukünftige Geschichtsverbrämung verhindert werden. Je niederschwelliger diese Erkenntnisse vermittelt werden um so größer die Empfängergruppe – kreatives Tun ist dafür erfahrungsgemäß ein probates Werkzeug.
Ob die öffentliche Hand finanzielle Mittel für das Projekt zur Verfügung stellt darf kein Ausschlusskriterium zur Umsetzung darstellen. Der finanzielle Aufwand für Phase 1 ist schätzungsweise klein und dürfte sich leicht realisieren lassen. Für die Realisation von Phase 2 werden allerdings mehrstellige Beträge aufgerufen, welche aber auch mittels eines Crowdfunding gesammelt werden können.
Entscheidend für die Realisierung des Projektes „Strahlungsgröße“ ist aber die Zustimmung & Verständigung in der Bevölkerung.
Sollte Inhalt & Absicht nicht in der Breite getragen werden dann dürfte ein Crowdfunding scheitern, die Politik bedeckt sich mit Schweigen und unser Prinz schaut weiterhin ganz unschuldig auf die Besucher im Museum Kurhaus.
Anhang
