Strahlungsgröße

Die Form des Salzes, die Beschaffenheit des Eisens, die Position der Verneigung und die Richtung seiner größten Schuld.

Ein Modell der finalen Hülle

Der erinnerungspolitische Super-GAU

Im Westen der Republik lebte einst ein Fürst der sich Kleve als seinen Altenteil auserkoren hatte. Mit dem Geld, seinem Ansehen und Beziehungen aus seinem vorherigen Arbeitsverhältnis gestaltete er die Provinzstadt und gab ihr ein mondänes Flair. Die Klever waren dankbar, schließlich spendierte der Prinz der Bauernschaft eine ruhmreiche Ausstrahlung. Das diese Ausstrahlung auf den kolonialen, patriarchal-kapitalistischen Anstellungsverhältnissen ihres Gönners fußte war schlichtweg egal. Die Strahlenkrankheit infolge dauerhafter Exposition tat ihre Wirkung und dauert bis heute an.

Das Ansehen Johann Moritz zu Nassau-Siegen ist ein Langzeit-Strahler. Seit nahezu 400 Jahren durchdringt es jedes Gewebe. Die endemischen Bewohner des verseuchten Gebiets haben sich in den Jahrhunderten an die Strahlenbelastung angepasst und ihr Verhältnis zu nötigen Distanzierung modifiziert. Winzige Korrekturen sollen eine Dekontamination darstellen aber wer sich im Kerngebiet erkundigt findet zahlreiche Hinweise daß das Gegenteil der Fall ist.

Eine Entseuchung ist dringend geboten und die Kunst könnte dabei helfen.

Auf 51° 46′ 15.61″ N 6° 09′ 56.95″ O befindet sich das Zentrum moritz’scher Verseuchung: die leere Grab-Tumba des Prinzen.

Das Projekt „Strahlungsgröße“ sieht vor eine kubischen Abschirmung um dieses Abklingbecken zu errichten um zukünftige Strahlenbelastungen zu verringern.

Ein Modell des geplanten Kunstwerks
Die Form des Salzes, die Beschaffenheit des Eisens, die Position der Verneigung und die Richtung seiner größten Schuld.

Das Vorhaben einen Stahlsarkophag um die leere Tumba des Prinzen zu installieren ist völlig überzogen, eine Anmaßung, finanziell zu aufwändig und denkmaltechnisch unmöglich. Und dennoch das probateste Mittel um einen nachhaltigen Erfolg im Umgang mit der kolonialen Hinterlassenschaft zu erreichen.

Im havarierten Block klevischer Empfindsamkeiten wächst derzeit unbemerkt etwas Neues. Es ensteht ein unsichtbarer Teil des Kunstwerk, welches aus einem Konglomerat des Schweigens und Ablehnung besteht. Schwere Elemente der Gesellschaft bilden spontane Reaktionen und neue Verbindungen welche eine Entseuchung des verstrahlten Areals sehr aufwändig macht.

Eine Entseuchung des Gebiets vor der anstehenden Landesgartenschau ist ungelegen und so setzen die Verantwortlichen die hundertausend erwartete Besucher einem kalkuliertem Strahlungsrisiko aus. Patriarchale und Koloniale Altlasten dürften die auswärtigen Besucher verstrahlen und die Kontamination in die Fläche tragen.

Zusammenfassend gilt : Es gibt viel zu tun um eine nachhaltige Erinnerungskultur in Kleve zu etablieren.


Anhang

*1
Konzept „Strahlungsgröße“